KI in PE: Interview mit KKR Managing Director Hagen Raab
Wie KI Private Equity verändert: Hagen Raab über Chancen, Risiken und Karriere-Tipps für die nächste Generation in Private Equity.
Wie KI Private Equity verändert: Hagen Raab über Chancen, Risiken und Karriere-Tipps für die nächste Generation in Private Equity.
Alle Antworten sind persönliche Einschätzungen des Gesprächspartners und dürfen nicht als offizielle Stellungnahme seines Arbeitgebers verstanden werden.
In diesem Interview spricht Hagen Raab über die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) im Private Equity. Themen sind unter anderem Chancen und Risiken von KI , aktuelle Trends am Private-Equity-Markt und Tipps für eine Karriere in der Finanzindustrie.
Antwort Hagen Raab:
KI ist heute schon in vielen Bereichen präsent – und ihre Bedeutung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. In Private Equity sehe ich vor allem drei zentrale Einsatzfelder:
Auch im Portfolio Management eröffnet KI neue Möglichkeiten: Sie kann KPIs überwachen, Trends frühzeitig erkennen und Risiken besser sichtbar machen. Insgesamt gehe ich davon aus, dass KI in fünf bis zehn Jahren ein fester Bestandteil sämtlicher Geschäftsbereiche sein wird.
Antwort Hagen Raab:
Die größten Chancen liegen klar in der Effizienzsteigerung. KI kann Arbeitsprozesse schneller und präziser machen, wodurch Teams produktiver arbeiten und Projekte profitabler werden. Sie eröffnet zudem neue Perspektiven, etwa durch tiefere Marktanalysen oder die Erschließung bisher unbeachteter Geschäftsbereiche.
Aber es gibt auch Risiken:

Antwort Hagen Raab:
Bias ist ein zentrales Thema. KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert wird. Wenn diese verzerrt sind, entstehen automatisch auch Verzerrungen in den Ergebnissen. Besonders deutlich wird das im Recruiting: Nutzt man historische Lebensläufe als Basis, besteht die Gefahr, dass bestehende Muster reproduziert und Diversität verhindert wird.
Die Technologie wird jedoch besser. Mit den richtigen Datenquellen und klaren Prompts lassen sich viele Risiken reduzieren. Entscheidend bleibt, dass Ergebnisse kritisch geprüft werden. KI darf unterstützen, aber die Verantwortung für Fairness und Transparenz liegt letztlich beim Menschen.
Antwort Hagen Raab:
KI ersetzt zunehmend Standardaufgaben – vom Screening bis hin zu Präsentationsentwürfen. Für junge Leute heißt das: Sie müssen sich neu positionieren. Ich rate dazu, „KI-Champion“ zu werden – also Personen, die nicht nur Tools anwenden, sondern deren Einsatz im Unternehmen aktiv gestalten.
Gleichzeitig gewinnen klassische Fähigkeiten an Bedeutung: kritisches Denken, Kontextverständnis und Transferfähigkeit. KI kann Muster erkennen, aber das Einordnen, Bewerten und Ableiten von Strategien bleibt eine menschliche Aufgabe. Erfolgreich wird, wer KI als Sparringspartner nutzt und trotzdem eigene Kompetenzen weiterentwickelt.
Antwort Hagen Raab:
Private Equity hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Unternehmen greifen auf private Finanzierungen zurück, während die Zahl börsengelisteter Firmen weltweit sinkt. Der Vorteil liegt auf der Hand: weniger Öffentlichkeit, weniger Druck durch kurzfristige Quartalsberichte und dafür mehr Raum für langfristige Planungssicherheit.
Gleichzeitig ist das aktuelle Umfeld geprägt von zurückhaltenden Kapitalflüssen. Viele Investoren warten ab, bis sich das Marktsentiment verbessert. Auch der IPO-Markt ist derzeit schwach – zahlreiche Unternehmen schieben geplante Börsengänge auf, bis die Bedingungen attraktiver erscheinen. Private Equity spielt hier eine wichtige Rolle, weil es helfen kann, diesen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, indem es Kapital bereitstellt und Unternehmen in einer Phase begleitet, in der öffentliche Märkte eher verschlossen bleiben.
Hinzu kommt die geopolitische Unsicherheit, die Investoren vorsichtig macht. Konflikte, Handelsfragen und makroökonomische Risiken führen dazu, dass langfristige und stabile Kapitalquellen noch stärker gefragt sind. Für institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Family Offices ist Private Equity deshalb besonders attraktiv: Es bietet nicht nur Chancen auf hohe Renditen, sondern auch eine vergleichsweise geringe Volatilität. In den USA hat sich Private Equity bereits als eine der zentralen Finanzierungsformen etabliert, und auch Europa holt zunehmend auf.
Antwort Hagen Raab:
Technologie ist zum entscheidenden Faktor geworden. Unternehmen, die nicht digitalisieren, laufen Gefahr, von Wettbewerbern abgehängt zu werden. Auch im Deal-Making selbst wird KI wichtiger: Sie kann potenzielle Targets identifizieren, Unternehmensdaten durchforsten und Investment-Komitees unterstützen, indem Chancen und Risiken schneller sichtbar werden.
KI ersetzt nicht den Menschen, aber sie kann die Entscheidungsfindung erheblich beschleunigen. Sie liefert die Basis, auf der erfahrene Professionals dann ihre Urteile fällen.
Antwort Hagen Raab:
Grundsätzlich bleibt das Ziel dasselbe: Unternehmenswerte steigern – sei es durch organisches oder anorganisches Wachstum, durch operative Verbesserungen oder Effizienzsteigerungen. Der Unterschied zu früher: Heute basiert Wertgenerierung weniger auf Leverage-Finanzierungen, sondern auf echter Weiterentwicklung der Unternehmen.
Zwei Drittel der Wertschöpfung in Private Equity stammen heute aus operativen Verbesserungen. Hier ist KI ein zentraler Hebel – sei es durch Prozessoptimierung, bessere Datenanalysen oder neue Marketing- und Vertriebsstrategien. Wer das Potenzial konsequent nutzt, wird im Wettbewerb vorne liegen.
Antwort Hagen Raab:
Restrukturierungen sind Ausnahmesituationen. Hier braucht es klare Kommunikation, Nervenstärke und die Fähigkeit, Mitarbeiter mitzunehmen. Vertrauen ist der Schlüssel: Nur wenn die Belegschaft die Strategie versteht und das Ziel kennt, unterstützt sie den Wandel.
Ein wirkungsvolles Instrument ist Employee Ownership – die Beteiligung aller Mitarbeiter am Eigenkapital. Das stärkt Motivation und Verantwortungsgefühl, reduziert Fluktuation und fördert Unternehmertum im Unternehmen. In schwierigen Phasen kann dieses Alignment entscheidend sein, um Veränderungen erfolgreich umzusetzen.
Antwort Hagen Raab:
Private Equity ist eine faszinierende Branche mit großem Gestaltungsspielraum. Für den Einstieg zählen natürlich eine solide Ausbildung und gute Noten. Aber darauf allein sollte man sich heute nicht mehr verlassen.
Unternehmen suchen Vielfalt. Gefragt sind nicht nur klassische BWL-Profile, sondern auch Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Quereinsteiger mit besonderen Fähigkeiten. Entscheidend ist die Kombination aus fachlicher Exzellenz und Persönlichkeit. Junge Leute sollten früh Praxiserfahrungen sammeln – etwa durch studentische Clubs, Beratungen oder Praktika – und gleichzeitig eigene Stärken entwickeln, die sie von anderen abheben.
Antwort Hagen Raab:
Früher zählten vor allem Noten und Hochschulname. Heute sind Vielfalt, Engagement und Persönlichkeitgenauso wichtig. High Potentials von morgen bringen nicht nur akademische Leistung mit, sondern auch Erfahrungen außerhalb der Uni – im Sport, in Kulturprojekten oder in sozialen Organisationen. Diese Vielseitigkeit prägt Charakter und erweitert Perspektiven.
Es geht also nicht nur um IQ, sondern auch um EQ: Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Kreativität. Unternehmen wollen Talente, die Impulse geben, nicht nur Muster erfüllen.
Antwort Hagen Raab:
Entscheidend war für mich eine klare Vision: die Verbindung von Finanzen und Marketing. Dazu kamen viele Praktika, Mitgliedschaften in studentischen Organisationen und Auslandserfahrungen. Diese Mischung hat meinen Lebenslauf gestärkt und Türen geöffnet.
Besonders wertvoll war der Austausch mit inspirierenden Persönlichkeiten. Oft habe ich durch studentischen Clubs nicht nur praktische Einblicke bekommen, sondern auch Kontakte geknüpft, die mich bis heute prägen. Mein Rat: Sucht aktiv nach Menschen, die euch inspirieren und motivieren – das ist oft wichtiger als jeder einzelne Kurs an der Uni.
Das Interview zeigt: KI verändert Private Equity fundamental – von Deal-Sourcing bis Portfolio Management. Für junge Talente im Investment Banking bedeutet das, dass kritisches Denken, Transferfähigkeit und KI-Kompetenz entscheidend für eine erfolgreiche Karriere sind.
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